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Wort zum Sonntag

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Rogate 2020

Lied

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi + die Liebe Gottes + die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Psalmspruch
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft,
noch seine Güte von mir wendet.   Psalm 66, 20

Gebet
Herr, barmherziger Gott,
Du verstehst zu schweigen und zu hören wie kein anderer.
Und wenn du schweigst, dann deshalb, weil du hören willst,
was uns bewegt und beschäftigt.
Du hörst aus unseren Worten heraus,
was in uns vorgeht und was wir brauchen.
Dafür danken wir dir.
Gib, dass im Gespräch mit Dir, vor Deinem heiligen Angesicht,
sich unser Kleinmut verwandelt in neuen Lebensmut
und dass die Sorgen ihre Macht über uns verlieren und der Zuversicht weichen.
Hilf uns wahrhaftig und ehrlich zu dir zu sein und los zu werden,
was uns bedrückt. Höre, wenn wir zu dir rufen:
Herr erbarme dich/ Kyrie eleison EG 178.12

Ein Wort der Heiligen Schrift will uns Trost + Mut machen:
Wirf dein Anliegen auf den Herrn. Der wird dich versorgen und
den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen. Psalm 55, 23
Loblied Halleluja   EG 182

Evangelium/ Predigttext:   Matthäus 6, 5-15
Christus spricht: Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet!

Musik zur Meditation

 

 

Predigt
Liebe Gemeinde,
wir haben gerade Audienz.
Und zwar bei keinem Geringeren als Gott selbst.

Keinem Machthaber der Welt kann man einfach so unter die Augen treten, um gehört zu werden. So ganz ohne eigene Machtposition, Einfluß und Bedeutung. So ohne Lobby. Das wäre eine äußerst seltene Gelegenheit. Für normal Sterbliche jedenfalls. Oder gar für die stillen im Lande. Kommt so gut wie nie vor. Kann man vergessen.

Bei keinem Präsidenten oder Regierenden kann man einfach so erscheinen, um auf die eigene Situation aufmerksam zu machen oder gar um Hilfe zu bitten. So ohne Bürokratie und ohne Termin. Ohne Personenkontrolle und Leibesvisitation. Das wäre eine sehr unwahrscheinliche, fast an ein Wunder grenzende  Möglichkeit. Jedenfalls für Otto Normalverbraucher. Oder gar für die, denen es die Sprache verschlagen hat. Kommt so gut wie nie im Leben vor. Kann man vernachlässigen.

Wir aber haben Audienz bei Gott. Können jederzeit zu ihm kommen und uns an ihn wenden. Ohne etwas darstellen zu müssen. Ohne etwas vorweisen zu müssen. Ohne uns wichtig machen zu müssen. Und das alles auch ohne einen Diener machen zu müssen oder nach oben buckeln zu müssen.

Sondern am besten so wie wir sind. Wir brauchen ihn nicht mit: Eure Eminenz anreden. Wir können ihn anreden mit „Vater unser im Himmel“ und Du zu ihm sagen.

Beten heißt: Wir treten ein in Gottes Gegenwart. Wir erscheinen vor ihm, mit allem, was wir sind und bewegt. Wir ihm unser Herz ausschütten oder einfach nur schweigen und da sein, ohne Worte zu machen, und uns bei Gott bergen. Alleine das schon verleiht uns Ansehen und Würde. Wir sind für ihn keine normal Sterblichen. Wir tragen die Würde der Gottebenbildlichkeit.
Wir haben Audienz.

 

 

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So ist Beten keine religiöse Pflichterfüllung. Es ist Ausdruck unserer Sehnsucht nach Gott. Es ist der Wunsch, in Kontakt zu sein mit dem Gott, der das Beste ist, was uns Menschen passieren kann. Es ist Möglichkeit, sich dem Gott der Liebe hinzugeben und anzuvertrauen. Es ist Ausdruck von Würde.

Manchmal aber haben wir Hemmungen zu Gott zu beten, den wir nicht sehen und der so uns geduldig zuhört, ohne gleich uns zu zureden oder eine Ansage zu machen. Die erste Hemmschwelle ist: Wer bin ich überhaupt?

Zur Zeit Jesu gehörte das Gebet zum Leben. Für manche Zeitgenossen gehörte es sich auch. Es brachte Sozialprestige. Wer betete, genoss Ansehen. Und wer Ansehen genießen wollte betete. Jesus aber hält nichts davon, das Gebet zu veräußerlichen: „Ihr sollt nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden.“

So heißt die Antwort auf die Frage: Wer bin ich überhaupt, dass ich es wagen kann zu beten?: Du musst nichts darstellen. Nichts vorweisen. Nicht von Bedeutung sein. Auch nicht voll gut drauf sein. Diese ganze anstrengende gesellschaftliche Spektakel der Selbstinszenierung und Selbstpräsentation können wir uns vor Gott glatt sparen und abschminken. Wie entlastend ist das doch!

Deshalb ist die Empfehlung Jesu, sich der geltungssüchtigen Öffentlichkeit zu entziehen: „Geh in dein Kämmerlein, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Das Haus des Otto Normalverbrauchers zur Zeit Jesus war Wohn- und Schlafraum und Küche zugleich. Nur die Kammer für Vorräte war der einzige Raum, in dem man für sich sein konnte, ohne von der ängstlichen Frage gestört zu werden: was denken die anderen? In diesem Freiheitsraum kann man sagen, was man sonst nicht laut zu denken wagt.

 

 

Das stille Kämmerlein ist auch unser Herz. Es hat Vorkammern und Hauptkammern. Darin bewahren wir so manches auf. Wer betet, achtet auf das Verborgene in sich und öffnet es vor Gott.Wovon wir träumen. Worunter wir leiden. Was uns keine Ruhe lässt. Was auch immer.  „Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ Was vergelten? Na, dein Vertrauen!

Die zweite Hemmschwelle: Was mache ich da überhaupt?

Bei der heidnischen Bevölkerung zur Zeit Jesu gehörte das Beten auch zum Leben. Es war Ausdruck der Überzeugung, dass man angesichts der Unsicherheit der eigenen Existenz und der Unwägbarkeiten des Lebens die Götter beschwören und die unbekannten Mächte mit entsprechenden Formeln bannen kann. Denn Worte haben Macht. Wenn man nur die richtigen Worte benutzt, erhält man Einfluss auf die Macht der Götter. Wenn man die geeigneten Beschwörungsformeln und Gebete spricht, kann man die Götter dazu bewegen, Unheil abzuwenden und Segen zu spenden. Jesus aber hält nichts davon, das Gebet zu instrumentalisieren als magische Beschwörung. Er spricht sich dafür aus, verbal abzurüsten: „Ihr sollt, wenn ihr betet nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.“
So heißt die Antwort auf die Frage: Was muss ich da machen, wenn ich anfange zu beten?: Du musst keine Reden machen. Brauchst keine Überredungskünste. Keinen Werbetext für deine Anliegen. Keinen Medienstrategen für Pressekonferenzen und Talkrunden im Hintergrund. Es kommt nicht auf viele Worte an, um gehört zu werden. Wie befreiend ist das doch.
Darum empfiehlt Jesus, mit der Gewissheit ins Gespräch zu gehen: „Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet!“
Und wenn ich jetzt vergleiche: diese prägnante, sinnerfüllten, kurz und bündigen Worte Jesu in nur neun Versen mit meinem rhetorischen Aufwand, dann fürchte ich, viel zu viel Worte gemacht zu haben. Darum die Bitte:

 

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Pfarrer Juri Dörsam

 

 Mache mich einfältig, innig, abgeschieden,
sanft und still in deinem Frieden;
Mach mich reinen Herzens, dass ich deine Klarheit
schauen mag in Geist und Wahrheit;
Lass mein Herz
überwärts
wie ein Adler schweben
und in dir nur leben.
Amen.

Lied   Gott ist gegenwärtig  EG 166

Fürbitten
Allmächtiger Gott,
die Hände, die zum Beten ruh’n,/ die machst du stark zur Tat./
Und was der Beter Hände tun, / geschieht nach deinem Rat. (EG 457,11)

Deine Macht, Herr, ist die Hoffnung der Ohnmächtigen.
So bitten wir dich für Arme und Arbeitslose,
für Hungernde und Verfolgte, und Geflüchtete.
Hilf jedem in seiner Not. Lass uns erkennen, was sie brauchen.
Herr, aller Herren. Erweise an ihnen deine Macht.

Deine Macht, Herr, ist die Grenze derer, die unter uns Macht haben. So bitten wir dich für die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik, in der Justiz und in den Medien, in Schulen und Familien. Schenke ihnen Weisheit und Besonnenheit.
Verleihe ihnen Mut Recht zu schaffen und Frieden zu stiften.
Herr aller Herren, erweise an ihnen deine Macht.

 

Herr, deine Macht ist die Kraft aller, die ein neues Leben versuchen. So bitten wir dich für alle, die aus Sucht und Abhängigkeiten herausfinden wollen. Für alle, die Menschen in Krisen begleiten. Für die, die Menschen pflegen – in den Häusern und inden Pflegeheimen und im Krankenhaus.
Gib ihnen zu ihrer Menschenfreundlichkeit auch deine Kraft und Stärke, Geduld, wenn sie an die Grenze der eigenen Belastbarkeit stoßen.

Herr, dein Wort ist die Lebenskraft deiner Kirche.
Gib deiner Kirche den Mut, nach deinem Wort zu fragen und zu leben. Lass sie deinen Willen erkennen für unsere Zeit, erfülle sie mit dem Geist Jesu Christi, eröffne ihr Wege in die Zukunft.

 

Vater Unser

 

Segen

 

Lied   Wie lieblich ist EG 501, 1-4

 

 

 

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